Preventa Motion FB SF_SafeMotionControl

 

Kurzbeschreibung

Der sicherheitsbezogene Funktionsbaustein SF_SafeMotionControl dient als Schnittstelle zwischen dem Sicheren Logik-Controller (Sicher­heitssteuerung) und dem optionalen Safety-Modul und damit als sicher­heitsbezogene Komponente des Standard-Antriebs ILM62 oder LXM62.

Der sicherheitsbezogene Funktionsbaustein dient hauptsächlich zur Anforderung der sicherheitsbezogenen Überwachungsfunktionen auf dem Safety-Modul und zur Visualisierung des Status des Safety-Moduls.

Er führt folgende Aufgaben aus:

  • Auswertung der Signale der angeschlossenen sicherheits­bezogenen Geräte/Sensoren wie z.B. Schlüsselschalter, Sicherhe­itstüren, NOT-HALT-Taster oder Lichtvorhänge.

  • Anforderung der Überwa­chung (basierend auf der oben erwähnten Signa­lauswertung), ob die Sicher­heitsfunktion, die an den ausgewerteten Eingängen angefordert wurde, tatsäch­lich korrekt im Safety-Modul und damit im Antrieb umge­setzt wurde.

    Das Safety-Modul führt die Überwachung selbstständig und unabhängig vom sicher­heitsbezogenen Funktions­baustein aus und meldet seinen Status zurück.

    Der Funktionsbaustein fordert außerdem über das Safety-Modul eine definierte Fallback-Funk­tion an (z.B. STO oder SS1), wenn der überwachte Status nicht dem angeforderten Status entspricht.

  • Visualisierung der Status der Sicherheitsfunktionen durch Ausgabe des aktu­ellen Status jeder implemen­tierten Sicherheitsfunktion sowie des Fehlerzustands des Safety-Moduls und des Achsstatus an den Bausteinausgängen.

icon_editor_MotionFB_60.png

Der zu steuernde Antrieb ist durch eine Achs-ID gekennzeichnet, die am Bausteineingang S_AxisIN sowie am Bausteinausgang S_AxisOUT anzulegen ist. Auf diese Weise erfolgt eine eindeutige Verknüpfung zwischen Funktionsbaustein und physikalischer Achse.

Das Safety-Modul verfügt über eine interne Anlauf-/Wiederanlaufsperre, die nicht deaktiviert werden kann. Der Funktionsbaustein bildet damit die interne Anlauf-/Wiederanlaufsperre in der sicherheitsbezogenen Anwendungsprogrammierung ab und ermöglicht deren Aufhebung.

Unterstützte Sicherheitsfunktionen

Die folgenden sicherheitsbezogenen Überwachungsfunktionen werden vom sicherheitsbezogenen Funktionsbaustein SF_SafeMotionControl unterstützt. Klicken Sie auf die Links, um weitere Informationen zu erhalten.

HINWEIS:

Alle Sicherheitsfunktionen erfüllen die Sicherheitsanforderungen bis SIL3.

Die verschiedenen Sicherheitsfunktionen unterliegen einer festgelegten Priorität, wobei STO die höchste Priorität besitzt.

Eingänge des Funktionsbausteins

Detaillierte Informationen erhalten Sie durch Klicken auf die entsprech­enden Hyperlinks.

Name

Kurzbeschreibung

Wert

Activate

Zustandsgesteuerter  Eingang zur Aktivierung des Funktionsbausteins.

Datentyp: BOOL

Anfangswert: FALSE

  • FALSE: Funktions­baustein inaktiv

  • TRUE: Funktionsbaustein aktiv

S_AxisIN

Eingang zur Vorgabe der zu steuernden und zu überwachenden Achse.

Datentyp: SAFED­WORD

Anfangswert: 0x0

Dieser Eingang muss an das Datenelement SafeAxisIn desjenigen Safety-Moduls angeschlossen werden, welches den betreffenden Antrieb bzw. die betreffende Achse steuert (bereitgestellt im 'Geräte'-Fenster).

Sein Wert wird deshalb von diesem Safety-Modul bestimmt und bereitgestellt.

S_*_Request

Zustandsgesteuerter  Eingang zur Anforderung der entsprechenden sicherheitsbezogenen Überwachungsfunktion.

Der Platzhalter * steht dabei für:

Datentyp: SAFEBOOL

Der Anfangswert hängt vom Eingang ab:

  • SAFEFALSE für S_STO_Request.

  • SAFETRUE für die anderen Anforderungse­ingänge.

HINWEIS:

Da die Überwa­chungs­funktion SMS (Sichere maxi­male Geschwindigkeit) perma­nent aktiv ist, ist kein Bausteineingang verfügbar/erforderlich, um sie anzu­fordern. Es gibt jedoch einen Bausteinausgang, um ihre Aktivität anzu­zeigen.

  • SAFEFALSE: Die entsprechende sicherhe­itsbezogene Überwa­chungsfunktion ist angefordert

  • SAFETRUE: Die entspre­chende sicherheitsbezo­gene Überwachungsfunktion ist nicht angefordert

HINWEIS:

Eingang S_STO_Re­quest darf nicht unbeschaltet bleiben.

HINWEIS:

Für den Betrieb (Rota­tion) des Antriebs muss an Eingang S_STO_Request der Wert SAFETRUE anliegen.

Reset

Flankengesteuerter  Eingang für das Rücksetz-Signal.

  • Rücksetzen von Fehlerzuständen des Funktions­bausteins, wenn die Fehlerur­sache nicht mehr besteht.

  • Manuelles Aufheben der Anlaufsperre, die standard­mäßig nach dem Start des Sicheren Logik-Controllers (Sicherheitss­teuerung) und nach der Aktiv­ierung des Funk­tionsbausteins aktiv ist.

  • Manuelle Aufheben einer Wiederanlauf­sperre, die stan­dardmäßig nach einer Anforderung der STO- oder SS1-Funktion aktiv ist, um den unbeabsichtigten Wiederanlauf der Achse zu verhin­dern.

Datentyp: BOOL

Anfangswert: FALSE

HINWEIS:

Abweichend von der Norm EN ISO 13849-1 erfolgt das Rück­setzen nicht wie dort gefordert durch eine negative (fall­ende) sondern durch eine positive (stei­gende) Flanke.

Beachten Sie den Gefahrenhinweis unter dieser Tabelle.

  • FALSE: Rücksetzen ist nicht angefordert

  • Flanke FALSE > TRUE: Rücksetzen ist ange­fordert

Das Aufheben der Anlauf-/Wiederanlaufsperre durch eine positive Signalflanke an Eingang Reset des Funktionsbausteins kann zum sofor­tigen Schalten der Ausgänge führen (je nach Zustand an den übrigen Eingängen) und die Drehzahl/Geschwindigkeit und das Verhalten der zu steuernden Achse beeinflussen.

WARNUNG

UNBEABSICHTIGTER BETRIEBSSTART

  • Berücksichtigen Sie in Ihrer Risikoanalyse die Auswirkungen der Aufhebung einer aktiven Anlauf-/Wiederanlaufsperre durch eine positive Signalflanke an Eingang Reset.

  • Stellen Sie sicher, dass geeignete Maßnahmen (gemäß zutref­fender Sektornormen) getroffen wurden, um Gefährdungen durch das Rücksetzen des Funktionsbausteins zu verhindern.

  • Betreten Sie den Betriebsbereich nicht, wenn das Rücksetzen des Funktionsbausteins durchgeführt wird.

  • Stellen Sie sicher, dass keine anderen Personen den Betriebsbereich betreten können, wenn das Rücksetzen des Funk­tionsbausteins durchgeführt wird.

  • Verwenden Sie geeignete Sicherheitsverriegelungen, wenn eine Gefahr für Personen und/oder Ausrüstung besteht.

Die Nichtbeachtung dieser Anweisungen kann Tod, schwere Körperverletzungen oder Sachschäden zur Folge haben.

Ausgänge des Funktionsbausteins

Detaillierte Informationen erhalten Sie durch Klicken auf die entsprech­enden Hyperlinks.

Name

Kurzbeschreibung

Wert

Ready

Ausgang zur Signalisierung "Funktionsbaustein ist aktiviert/nicht aktiviert".

Datentyp: BOOL

  • TRUE: Funktionsbaustein ist aktiviert (Activate = TRUE) und die Ausgang­sparameter stellen den aktuellen Zustand der Sicherheitsfunktion dar.

  • FALSE: Der Funktions­baustein ist nicht aktiviert (Activate = FALSE) und die Ausgänge des Funk­tionsbausteins sind auf FALSE/SAFEFALSE gesteuert.

S_AxisOUT

Ausgang zur Anzeige der gesteuerten/überwachten Achse.

Datentyp: SAFEDWORD

Dieser Ausgang muss an das Datenelement SafeAxisOut desjenigen Safety-Moduls angeschlossen werden, welches den betreffenden Antrieb bzw. die betreffende Achse steuert (bereitgestellt im 'Geräte'-Fenster).

S_*_SafetyActive

Ausgänge zur Signalisierung des Status der jeweiligen Sicherheitsfunktion.

Der Platzhalter * steht dabei für:

Datentyp: SAFEBOOL

  • SAFEFALSE:

    • Sicherheitsfunktion nicht aktiv

    • oder Funktionsbaustein nicht aktiviert

    • oder der Funktions­baustein hat einen Fehler erkannt

    • oder Anlauf-/Wiederanlauf­sperre ist aktiv.

      (Gilt nicht für S_STO_Safe­tyActive. Beachten Sie den nachfolgenden Hinweis.)

  • SAFETRUE:

    • Sicherheitsfunktion ist aktiv

    • und Funktionsbaustein ist aktiviert

    • und vom Funktions­baustein wurde kein Fehler erkannt

    • und Anlauf-/Wiederanlauf­sperre nicht aktiv.

      (Gilt nicht für S_STO_Safe­tyActive. Beachten Sie den nachfolgenden Hinweis.)

HINWEIS:

Im Falle einer aktiven Anlauf-/Wieder­anlaufsperre ist S_STO_SafetyActive = SAFETRUE und die anderen Safe­tyAc­tive-Ausgänge sind SAFE­FALSE.

S_HW_STO_Active

Ausgang zur Signalisierung, dass die Sicherheitsfunktion STO über die direkte festverdrahtete Signalverbindung angefordert wurde.

Datentyp: SAFEBOOL

HINWEIS:

Dieser Ausgang ist nur relevant, wenn der Gerätep­aram­eter HW_STO des Safety-Moduls auf Aktiviert gesetzt ist. Nur mit dieser Parame­trierung ist die Verwendung der festver­drahten STO-Anforderung möglich (siehe Abschnitt "STO, festver­drahtet").

  • SAFEFALSE:

    • Die STO-Funktion ist nicht über die festverdrahtete Signalverbindung ange­fordert. Falls eine Anforderung existiert, wurde diese über den Funktionsbaustein erzeugt

    • oder die STO-Funktion wird momentan überhaupt nicht angefordert

    • oder der Funktions­baustein ist nicht aktiviert.

  • SAFETRUE:

    • Die STO-Funktion ist über die festverdrahtete direkte Signalverbindung des Safety-Moduls ange­fordert

    • und der Funktions­baustein ist aktiviert.

S_RampMonitoringActive

Ausgang zur Signalisierung der aktiven Rampenüberwachung für die angeforderte(n) sicherheitsbezogene(n) Überwachungsfunktion(en).

  • SAFEFALSE:

    • Die Rampenüberwachung ist für die angeforderte(n) sicherheitsbezogene(n) Überwachungsfunk­tion(en) inaktiv

    • oder der Funktions­baustein ist nicht aktiviert.

  • SAFETRUE:

    • Die Rampenüberwachung ist für mindestens eine angeforderte sicherheits­bezogene Überwa­chungsfunktion aktiv

    • und der Funktions­baustein ist aktiviert.

S_AllReqFuncActive

Ausgang zur Signalisierung des Gesamtstatus der angeforderten Sicherheitsfunktionen.

Datentyp: SAFEBOOL

  • SAFEFALSE:

    • Momentan ist keine Sich­erheitsfunktion ange­fordert

    • oder mindestens eine der angeforderten Sicherhe­itsfunktionen hat noch nicht ihren definierten sicheren Zustand erreicht

    • oder es wurde ein Fehler auf dem Safety-Modul erkannt

    • oder der Funktions­baustein ist nicht aktiviert.

  • SAFETRUE:

    • Alle angeforderten Sicher­heitsfunktionen werden korrekt ausgeführt, d.h. sie befinden sich im funk­tional definierten sicheren Zustand

    • und der Funktions­baustein ist aktiviert.

S_NotErrFUNC

Ausgang zur Signalisierung des Fehlerzustands des Safety-Moduls.

Datentyp: SAFEBOOL

  • SAFEFALSE:

    • Es wurde ein Fehler auf dem Safety-Modul erkannt

    • eine Sicherheitsfunktion wurde nicht wie definiert eingehalten

    • oder der Funktions­baustein ist nicht aktiviert.

  • SAFETRUE:

    • Es wurde kein Fehler auf dem Safety-Modul erkannt

    • und keine Sicherheits­funktion wurde nicht wie definiert eingehalten

    • und der Funktions­baustein ist aktiviert.

AxisStatus

Ausgang zur Meldung des Achsstatus.

Datentyp: DWORD

Bitweise Statusausgabe als DWORD-Datentyp. Jeder Boolesche FB-Ausgang wird auf ein Bit dieses Status-DWORD abgebildet, welches weiterverarbeitet und in der Anwendung ausgewertet werden kann (siehe Tabelle im Thema "Ausgang AxisStatus").

DiagCode

Ausgang für Diagnosemeldung.

Datentyp: WORD

Diagnosemeldung des Funk­tionsbausteins.

Die möglichen Werte sind im Thema "Diagnose-Codes" aufgelistet und beschrieben.

Signalablauf-Diagramm:

Dieses Diagramm bezieht sich auf eine grundlegende Beispielan­wendung des sicherheitsbezogenen FB SF_SafeMotionControl: Die Status der beiden sicherheitsbezogenen Befehlsgeräte, einem NOT-HALT-Befehlsgerät und einem Schlüsselschalter, werden vom Funktionsbaustein ausgewertet. Das NOT-HALT-Befehlsgerät fordert die STO-Funktion und der Schlüsselschalter die Sicherheitsfunktion SLS1 an.

Gemäß Sicherheitskonzept muss die Achsdrehzahl reduziert werden, bevor Personen den Betriebsbereich betreten dürfen. Nur bei reduz­ierter Drehzahl kann beispielweise eine Sicherheitstür ohne Anforderung der STO-Funktion geöffnet werden, um Zugang zum Betriebsbereich zu gewähren.

HINWEIS:

Die Signalablauf-Diagramme in dieser Dokumentation vernachlässigen möglicherweise bestimmte Diagnose-Codes. So kann beispielsweise ein Diagnose-Code im Diagramm fehlen, wenn der betreffende Status des Funktionsbausteins ein temporärer Übergangszustand ist und nur für einen Zyklus der Sicherheitssteuerung aktiv ist.

Es werden nur typische Signalkombinationen der Eingangssignale darg­estellt. Weitere Signalkombinationen sind möglich.

HINWEIS:

Das Signalablauf-Diagramm ist vereinfacht dargestellt und erklärt die Funktionalität des sicherheitsbezogenen Funktions­bausteins SF_SafeMotionControl. Das Beispiel, wie es hier gezeigt und beschrieben ist, ist nicht als praktische Sicherheitslösung gedacht.

MotionFB_Signal1.png

Weitere Informationen

Beachten Sie auch das weitere Signalablauf-Diagramm.

0

Der Funktionsbaustein ist noch nicht aktiviert (Activate = FALSE). Folglich sind die Ausgänge FALSE/SAFEFALSE.

1

Das Safety-Modul geht nach dem Start automatisch in den funk­tional sicheren Zustand STO. Nach der Bausteinaktivierung (durch Steuern des Eingangs Activate auf TRUE), zeigt der Funktions­baustein diesen Zustand durch S_STO_SafetyActive = SAFETRUE an. Als Folge des Zustands STO ist die interne Anlaufsperre aktiv.

(Gemäß der zutreffenden Norm IEC 60204-1, führt die STO-Funk­tion Stopp-Kategorie 0 aus. Diese Stopp-Kategorie bedingt eine nachfolgende Anlaufsperre.)

Mit der Bausteinaktivierung steuert Ausgang S_NotErrFUNC sofort auf SAFETRUE und zeigt damit an, dass der Funktionsbaustein keinen Fehler erkannt hat.

2

Mit der Flanke FALSE > TRUE an Eingang Reset des sicherheitsbezogenen Funktionsbausteins ist die Anlauf-/Wiederanlaufsperre aufgehoben. Durch dieses Rücksetzen wird der Zustand STO verlassen.

Da nun keine Sicherheitsfunktion angefordert ist, steuert Ausgang S_STO_SafetyActive zurück auf SAFEFALSE, während die anderen Bausteinausgänge in ihrem vorherigen Zustand bleiben.

Unter dieser Bedingung kann die nicht-sicherheitsbezogene Standard-Steuerung den Betrieb des Antriebs starten, indem die Achse auf die in der Standard-Motion-Anwendung parametrierte Zielgeschwindigkeit beschleunigt wird.

3

Die Sicherheitsfunktion SLS1 ist angefordert: Das Signal an Eingang S_SLS_1_Request steuert auf SAFEFALSE, z.B. durch Entriegeln eines Schlüsselschalters.

Innerhalb des Zeitintervalls t1 empfängt die Standard-Steuerung ebenfalls die Anforderung aus dem angeschlossenen Prozess und startet die Motion Control-Funktion gemäß der in der Standard-Anwendung definierten Logik und Antriebsparametrierung. t1 muss in den Geräteparametern des Safety-Moduls definiert werden (SLS*_StartDelayTime[t1]).

Nachdem t1 abgelaufen ist, bremst die Standard-Steuerung den Antrieb auf die Zielgeschwindigkeit V2 ab, gemäß der in der Standard-Anwendung definierten Antriebsparametrierung.

Während der Abbremsphase t2 (Rampenphase), ist in unserem Beispiel für die Sicherheitsfunktion SLS1 die Rampenüberwachung parametriert. Zu diesem Zweck ist der entsprechende Parameter SLS1_RampMonitoring des Safety-Moduls auf Aktiviert gesetzt. Die aktive Rampenüberwachung wird durch Ausgang S_RampMonitoringActive = SAFETRUE angezeigt. Eine Überschreitung der definierten Rampe führt zu einer sofortigen Anforderung der STO-Funktion.

4

Die parametrierte begrenzte Zielgeschwindigkeit V2 (Einstellung mit Parameter SLS1_Speed[v2]) wird vor Ablauf der definierten Überwachungszeit t2 erreicht und die Rampenüberwachung erkannte während der Rampenüberwachungszeit t2 keine Geschwindigkeitsüberschreitung.

Das bedeutet, dass die angeforderte Sicherheitsfunktion SLS1 korrekt aktiviert ist und der Funktionsbaustein keinen Fehler erkennt (S_NotErrFUNC bleibt SAFETRUE).

In der Folge steuert S_SLS_1_SafetyActive bei Ablauf von t2 auf SAFETRUE und zeigt damit an, dass SLS1 im definierten sicheren Zustand ist. Nun kann in unserem Beispiel die Sicherheitstür geöffnet werden und der Zugang zum Betriebsbereich ist ohne nachfolgenden NOT-HALT möglich.

S_AllReqFuncActive steuert gleichzeitig auf SAFETRUE und meldet damit, dass jede angeforderte Sicherheitsfunktion korrekt und wie parametriert aktiviert ist.

Solange die Anforderung der Sicherheitsfunktion durch das Beibehalten von SAFEFALSE an Eingang S_SLS_1_Request aufrechterhalten wird, wird die Zielgeschwindigkeit V2 überwacht. Jede Überschreitung der Zielgeschwindigkeit V2 führt zur sofortigen Anforderung der STO-Funktion und steuert S_SLS_1_SafetyActive auf SAFEFALSE.

5

Die Anforderung der Sicherheitsfunktion SLS1 wird aufgehoben, indem das Signal an Eingang S_SLS_1_Request zurück auf SAFETRUE gesteuert wird (z.B. durch Verriegeln des Schlüsselschalters nach dem Schließen einer Sicherheitstür).

Die Ausgänge S_SLS_1_SafetyActive und S_AllReqFuncActive steuern sofort zurück auf SAFEFALSE und signalisieren damit, dass keine Sicherheitsfunktion mehr aktiv ist.

Da nach einer SLS-Funktion keine Wiederanlaufsperre erforderlich ist, kann die nicht-sicherheitsbezogene Standard-Steuerung die Achse ohne Rücksetz-Signal beschleunigen, sobald die Anforderung der Sicherheitsfunktion an S_SLS_1_Request aufge­hoben ist.

Die Achse erreicht die Geschwindigkeit (in der Stan­dard-Motion-Anwendung parametiert) ohne Überschreitung der definierten und permanent überwachten sicheren maximalen Geschwindigkeit (Vmax).

6

Die Sicherheitsfunktion STO ist angefordert: Durch Drücken des überwachten NOT-HALT-Befehlsgeräts steuert das Signal an Eingang S_STO_Request auf SAFEFALSE.

In der Folge setzt das Safety-Modul den Antrieb sofort drehmo­mentfrei und die Achse läuft aus.

S_STO_SafetyActive steuert sofort auf SAFETRUE und zeigt damit an, dass STO aktiviert ist. Da STO zu dieser Zeit die einzige angeforderte Sicherheitsfunktion ist, ist S_AllReqFuncActive eben­falls SAFETRUE.

7

Die Anforderung der STO-Funktion wird durch Entriegeln des NOT-HALT-Befehlsgeräts aufgehoben, bevor die Achse den Stillstand erreicht hat. In der Folge steuert das Signal vom NOT-HALT-Befehlsgerät, das an Eingang S_STO_Request angeschlossen ist, zurück auf SAFETRUE.

Der Antrieb bleibt jedoch aufgrund der implementierten Wiederanlaufsperre drehmomentfrei und die Achse läuft aus bis auf v = 0.

S_STO_SafetyActive und S_AllReqFuncActive bleiben SAFETRUE, solange die Wiederanlaufsperre aktiv ist.

8

Mit der Flanke FALSE > TRUE an Eingang Reset des sicherheits­bezogenen Funktionsbausteins ist die Wiederanlaufsperre aufge­hoben.

Da keine Sicherheitsfunktion angefordert ist, kann die nicht-sicher­heitsbezogene Standard-Steuerung die Achse beschleunigen, bis sie ihre programmierte Geschwindigkeit (in der Stan­dard-Motion-Anwendung parametriert) ohne Überschreitung der definierten und permanent überwachten sicheren maximalen Geschwindigkeit (Vmax) erreicht.

Anwendungsbeispiel

HINWEIS:

Das Anwendungsbeispiel ist vereinfacht dargestellt und erklärt die Funktionalität des sicherheitsbezogenen Funktions­bausteins SF_SafeMotionControl. Das Beispiel, wie es hier gezeigt und beschrieben ist, ist nicht als praktische Sicherheitslösung gedacht.

Einzig und allein Sie als Anwender, Maschinenbauer oder Systeminte­grator sind sich sämtlicher Bedingungen und Faktoren bewusst, die im Design der Anwendung für die Maschine realisiert sind. Daher können nur Sie bestimmen, welche Automatisierungsgeräte und dazugehörige Sicherheiten und Verriegelungen verwendet werden können und deren Verwendung validieren.

WARNUNG

NICHTERFÜLLEN DER SICHERHEITSANFORDERUNGEN

  • Spezifizieren Sie die umzusetzenden Anforderungen und/oder Maßnahmen in der von Ihnen durchgeführten Risikoanalyse.

  • Stellen Sie sicher, dass Ihre Sicherheitsanwendung den geltenden Sicherheitsvorschriften und Normen entspricht.

  • Stellen Sie sicher, dass geeignete Maßnahmen (gemäß zutref­fender Sektornormen) getroffen wurden, um Gefährdungen durch den Betrieb der Maschine zu verhindern.

  • Verwenden Sie geeignete Sicherheitsverriegelungen, wenn eine Gefahr für Personen und/oder Ausrüstung besteht.

  • Validieren Sie die gesamte Sicherheitsfunktion und prüfen Sie die Applikation sorgfältig.

Die Nichtbeachtung dieser Anweisungen kann Tod, schwere Körperverletzungen oder Sachschäden zur Folge haben.

Im nachfolgenden Beispiel verarbeitet der Sichere Logik-Controller (Sicherheitssteuerung) die Eingangssignale eines sicherheitsbezo­genen TM5-Erweiterungsmoduls SDI 1. Hier sind ein NOT-HALT-Befe­hlsgerät, ein Schlüsselschalter und ein Lichtvorhang angeschlossen. Diese Geräte sind über globale I/O-Variablen an die jeweiligen Anforderungseingänge des Funktionsbausteins angeschlossen.

Am sicherheitsbezogenen Ausgabegerät SDO 1 sind zwei Signalla­mpen angeschlossen: Die grüne Lampe meldet "Safety-Modul OK" und die rote "Sicherheitsfunktion angefordert".

Weitere Informationen

Beachten Sie auch die Details sowie die Hinweise zu diesem Anwendungsbeispiel.

MotionFB_ApplEx.png

Detailinformationen

Weitere Informationen finden Sie in den folgenden Abschnitten: