STO - Sicher abgeschaltetes Drehmoment (Safe Torque Off)

 

Allgemeine Funktionsbeschreibung

Die STO-Funktion ist die gängigste und grundlegende im Antrieb integ­rierte Sicherheitsfunktion. Wenn STO aktiviert ist, wird der Motor nicht mehr mit rotations- oder bewegungsverursachender Energie versorgt. Die Leistungsendstufe des Antriebs liefert dem Motor keinerlei Energie, die Drehmoment oder (im Falle eines linearen Motors) Kraft erzeugen kann.

Eine aktive STO-Funktion führt zu einer nachfolgenden Anlauf-/Wieder­anlaufsperre (siehe Abschnitt unten).

Die STO-Funktion verhindert gemäß EN 60204-1, Abschnitt 5.4, einen unbeabsichtigten Start. Die aktive STO-Funktion deaktiviert die Leis­tungsendstufe im Antrieb. Der Antrieb ist dann drehmomentfrei. Dieser Zustand wird im Antrieb intern überwacht.

Anforderung/Überwachung durch den sicherheitsbezogenen FB bzw. das Safety-Modul

Sofort nach der STO-Aktivierung, wird der Antrieb drehmomentfrei gesetzt und die Achse läuft aus bis Geschwindigkeit Null erreicht ist.

SafeTorqueOff.png

Die STO-Sicherheitsfunktion wird sofort bei Anforderung ausgeführt. STO kann angefordert werden, indem das Signal an Eingang S_STO_Request (falls Eingang Activate = TRUE) auf SAFEFALSE gesteuert wird oder über die festverdrahtete Verbindung (falls der Geräteparameter des Safety-Moduls HW_STO = Aktiviert). Beachten Sie den nachfolgenden Abschnitt.

Der drehmomentfreie Zustand des Antriebs wird angezeigt, indem der Bausteinausgang S_STO_SafetyActive auf SAFETRUE gesteuert wird.

Nach dem Anzeigen der aktiven STO-Funktion läuft die Achse aus. Deshalb ist S_STO_SafetyActive = SAFETRUE nicht zwingend gleich­bedeutend mit dem Stillstand der Achse. Die Auslaufzeit hängt von den physikalischen Eigenschaften der verwendeten Komponenten ab, wie z.B. Gewicht, Drehmoment, Reibung, usw.

WARNUNG

UNBEABSICHTIGTER BETRIEBSZUSTAND DES GERÄTS

  • Stellen Sie sicher, dass während des Auslaufens der Achse/Maschine keine Gefährdung für Personen oder Material entstehen kann.

  • Betreten Sie den Betriebsbereich nicht, während die Maschine ausläuft.

  • Stellen Sie sicher, dass keine anderen Personen den Betriebsbereich betreten können, während die Maschine ausläuft.

  • Verwenden Sie geeignete Sicherheitsverriegelungen, wenn eine Gefahr für Personen und/oder Ausrüstung besteht.

Die Nichtbeachtung dieser Anweisungen kann Tod, schwere Körperverletzungen oder Sachschäden zur Folge haben.

Anwendung

Da die STO-Funktion des Antriebs die Leistungsstufe des Motors deak­tiviert, kann sie in Anwendungen eingesetzt werden, in denen die Achse aufgrund ihres Lastmoments oder Reibung in einer ausreichend kurzen Zeit von selbst zum Stillstand kommt, oder wenn das Auslaufen der Achse keine Sicherheitsrelevanz hat.

STO als allgemeiner funktional sicherer Zustand: Die STO-Funktion ist als der standardmäßige funktional sichere Zustand definiert. Die STO-Funktion ist deshalb die finale Fallback-Funktion der weiteren hier beschriebenen Sicherheitsfunktionen.

STO-Anforderung über den Funktionsbaustein oder festverdrahtet

In Abhängigkeit von Ihren Anforderungen und der Implementierung des Systems, haben Sie zwei Möglichkeiten, um die STO-Funktion anzu­fordern:

Weitere Informationen

Weitere Informationen dazu erhalten Sie im Thema "STO, fest­verdrahtet".

Anlaufsperre: STO nach der Bausteinaktivierung

Das Safety-Modul geht nach dem Anlauf automatisch in den funktional sicheren Zustand STO. Gemäß der zutreffenden Norm IEC 60204-1, führt die STO-Funktion Stopp-Kategorie 0 aus. Diese Stopp-Kategorie bedingt eine nachfolgende Anlaufsperre. Die Anlaufsperre wird erst durch eine positive Signalflanke an Eingang Reset des sicherheitsbezo­genen Funktionsbausteins aufgehoben.

Wiederanlaufsperre nach STO

Nach Aufhebung der Anforderung der STO-Funktion, indem der betref­fende Bausteineingang von SAFEFALSE auf SAFETRUE gesteuert wird, ist automatisch eine Wiederanlaufsperre aktiv, um den unbeab­sichtigten Wiederanlauf der Achse zu verhindern. Gemäß der zutref­fenden Norm IEC 60204-1, führt die STO-Funktion Stopp-Kategorie 0 aus. Diese Stopp-Kategorie bedingt eine nachfolgende Wiederanlauf­sperre. Die Wiederanlaufsperre wird erst durch eine positive Signal­flanke an Eingang Reset des sicherheitsbezogenen Funktionsbausteins aufgehoben.

Relevante Geräteparameter des Safety-Moduls

So bearbeiten Sie die relevanten sicherheitsbezogenen Geräteparam­eter: Im EcoStruxure Machine Expert - Safety-'Geräte'-Fenster, ...

  1. Klicken Sie mit der linken Maustaste auf das Safety-Modul im Gerätebaum.

  2. Blättern Sie im Geräteparametrierungseditor auf der rechten Seite bis zum relevanten Parameterbereich (siehe Tabellenüberschrift unten).

  3. Definieren Sie die in der nachfolgenden Tabelle beschriebenen Parameter für diese Sicherheitsfunktion.

Detailinformationen zum Wertebereich und Standardwert dieses Param­eters finden Sie im entsprechenden Kapitel zum verwendeten Sicherhe­itsmodul im Handbuch "Parameter und Prozessdaten der Sicherheitsmodule".

Parameterbereich: Basic

HW_STO

  • Aktiviert

    Die festverdrahtete Signalverbindung kann ebenfalls verwendet werden. Die STO-Funktion kann über den Funktions­baustein (Eingang S_STO_Request = SAFEFALSE) sowie über die direkte festverdrahtete Signalverbindung im Antrieb angefordert werden.

  • Deaktiviert

    Die festverdrahtete Signalverbindung kann nicht verwendet werden. Die STO-Funk­tion kann ausschließlich über den Funk­tionsbaustein angefordert werden (Eingang S_STO_Request = SAFEFALSE).

WARNUNG

NICHTERFÜLLEN DER SICHERHEITSANFORDERUNGEN

  • Stellen Sie sicher, dass die Geräteparameter für das Sicherheits­modul Ihrer Risikoanalyse entsprechen.

  • Stellen Sie sicher, dass Ihre Risikoanalyse eine Auswertung für den Fall falsch eingestellter Geräteparameter enthält.

  • Validieren Sie die gesamte Sicherheitsfunktion in Bezug auf die eingestellten Geräteparameterwerte und prüfen Sie die Applikation sorgfältig.

Die Nichtbeachtung dieser Anweisungen kann Tod, schwere Körperverletzungen oder Sachschäden zur Folge haben.

Relevante Ein-/Ausgänge des Funktionsbausteins und Bits im Statuswort