Gültig für Funktionsbaustein SF_MutingPar_2Sensor_V1_0z, Version 1.0z (z = 0 bis 9).
Kurzbeschreibung
Der sicherheitsbezogene Funktionsbaustein SF_MutingPar_2Sensor wertet die Signale von zwei Muting-Sensoren und einer optoelektronischen Schutzeinrichtung (z.B. Lichtgitter) in einer Anwendung für paralleles Muting mit zwei Sensoren aus und steuert das Freigabesignal am Ausgang S_AOPD_Out. Das Signal an Ausgang S_AOPD_Out ist das Freigabesignal für den gesamten Prozess. Ein SAFEFALSE-Signal an Ausgang S_AOPD_Out führt zur Abschaltung der Anwendung des Betriebsbereichs. Mit dieser Funktion kann z.B. eine durch ein Lichtgitter realisierte Schutzeinrichtung vorübergehend deaktiviert werden (engl. to mute = stummschalten), um auf einem Montageband einen Gegenstand durchzulassen, der von den Muting-Sensoren als (für den Muting-Vorgang) zulässig erkannt wurde. In diesem Fall bleibt die Unterbrechung des Lichtgitters ohne Wirkung auf den Ausgang S_AOPD_Out. Wird die Schutzeinrichtung dagegen durch ein Objekt unterbrochen, das von den Muting-Sensoren als nicht zulässig identifiziert wurde, steuert Ausgang S_AOPD_Out auf SAFEFALSE. Wenn beispielsweise die Hand eines Arbeiters das Lichtgitter eines Montagebands unterbricht, werden an Ausgang S_AOPD_Out die notwendigen Maßnahmen angefordert, um den Betriebsbereich in den definierten sicheren Zustand zu versetzen. Über S_StartReset kann eine Anlaufsperre vorgegeben werden. |
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Die folgende Grafik illustriert eine Anwendung des Funktionsbausteins SF_MutingPar_2Sensor.
Weitere Informationen
Der gesamte Muting-Vorgang teilt sich in verschiedene Muting-Sequenzen. Detaillierte Informationen hierzu erhalten Sie in der Funktionsbeschreibung.
MS_11: Muting-Sensor, angeschlossen an Bausteineingang S_MutingSwitch11
MS_12: Muting-Sensor, angeschlossen an Bausteineingang S_MutingSwitch12
S, R: Sender und Empfänger des Lichtgitters
!: Betriebsbereich
Eingänge des Funktionsbausteins
Detaillierte Informationen erhalten Sie durch Klicken auf die entsprechenden Hyperlinks.
Name |
Kurzbeschreibung |
Wert |
Zustandsgesteuerter Eingang zur Aktivierung des Funktionsbausteins. Datentyp: BOOL Anfangswert: FALSE |
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Zustandsgesteuerter Eingang für den Status der Schutzeinrichtung (z.B. Lichtgitter). Datentyp: SAFEBOOL Anfangswert: SAFEFALSE |
HINWEIS: Ausgang S_AOPD_Out wird SAFEFALSE, wenn der Muting-Vorgang nicht aktiv ist (S_MutingActive = SAFEFALSE).
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Zustandsgesteuerte Eingänge für die Muting-Sensoren. Datentyp: SAFEBOOL Anfangswert: SAFEFALSE |
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Zustandsgesteuerter Eingang für das Rückmeldesignal von der Muting-Lampe. Datentyp: SAFEBOOL Anfangswert: SAFEFALSE |
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Vorgabe der zulässigen Diskrepanzzeit für den Schaltvorgang der Muting-Sensoren an den Eingängen S_MutingSwitch11 und S_MutingSwitch12. Datentyp: TIME Anfangswert: #0ms Nachdem der erste Eingang auf SAFETRUE gewechselt hat, muss innerhalb dieser Zeit auch der zweite Eingang folgen. Ist dies nicht der Fall, wird Ausgang S_AOPD_Out in den definierten sicheren Zustand SAFEFALSE gesteuert (z.B. "Maschine abschalten"). |
Minimalwert: 0 s Maximalwert: 4 s Geben Sie einen Zeitwert ein, der Ihrer Risikoanalyse entspricht. Beachten Sie den ersten Gefahrenhinweis unter dieser Tabelle. |
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Vorgabe der maximal zulässigen Zeit für den kompletten Muting-Vorgang. Datentyp: TIME Anfangswert: #0ms Ist der Muting-Vorgang nicht innerhalb dieser Zeit abgeschlossen, wird Ausgang S_AOPD_Out in den definierten sicheren Zustand SAFEFALSE gesteuert (z.B. "Maschine abschalten"). Dieser Timer startet, wenn mindestens einer der beiden Muting-Sensoren ein SAFETRUE-Signal liefert. Der Muting-Vorgang ist abgeschlossen, wenn mindestens einer der Muting-Sensoren wieder SAFEFALSE liefert. |
Minimalwert: 0 s Maximalwert: 600 s Geben Sie einen Zeitwert ein, der Ihrer Risikoanalyse entspricht. Beachten Sie den ersten Gefahrenhinweis unter dieser Tabelle. |
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Zustandsgesteuerter Eingang für die Freigabe des Muting-Vorgangs. Datentyp: BOOL Anfangswert: FALSE |
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Vorgabe der Anlaufsperre nach dem Start der Sicherheitssteuerung oder nach der Bausteinaktivierung. Eine aktive Anlaufsperre muss durch eine positive Signalflanke an Eingang Reset manuell aufgehoben werden. Eine deaktivierte Anlaufsperre führt dazu, dass der Ausgang S_AOPD_Out automatisch auf SAFETRUE wechselt, wenn der Funktionsbaustein aktiviert ist und die Sicherheitsfunktion nicht angefordert ist. Datentyp: SAFEBOOL Anfangswert: SAFEFALSE Beachten Sie den zweiten Gefahrenhinweis unter dieser Tabelle. |
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Flankengesteuerter Eingang für das Rücksetz-Signal:
Beachten Sie den dritten Gefahrenhinweis unter dieser Tabelle. Datentyp: BOOL Anfangswert: FALSE HINWEIS: Abweichend von der Norm EN ISO 13849-1 erfolgt das Rücksetzen nicht wie dort gefordert durch eine negative (fallende) sondern durch eine positive (steigende) Flanke. |
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WARNUNG
NICHTERFÜLLEN DER SICHERHEITSANFORDERUNGEN
Stellen Sie sicher, dass der am Zeiteingang eingestellte Zeitwert Ihrer Risikoanalyse entspricht.
Stellen Sie sicher, dass Ihre Risikoanalyse eine Auswertung für den Fall eines falsch eingestellten Zeitwerts am Zeiteingang enthält.
Validieren Sie die gesamte sicherheitsbezogene Funktion in Bezug auf den eingestellten Zeitwert und prüfen Sie die Applikation sorgfältig.
Die Nichtbeachtung dieser Anweisungen kann Tod, schwere Körperverletzungen oder Sachschäden zur Folge haben.
WARNUNG
NICHTERFÜLLEN DER SICHERHEITSANFORDERUNGEN
Stellen Sie sicher, dass Ihre Risikoanalyse eine Auswertung für den Fall der deaktivierten Anlaufsperre (S_StartReset = SAFETRUE) enthält.
Beachten Sie die vorgegebenen Richtlinien in relevanten Sektornormen bezüglich der Anlaufsperre.
Stellen Sie sicher, dass an anderer Stelle oder mit anderen Mitteln eine geeignete Anlaufsperre realisiert ist, wenn die Anlaufsperre durch die Einstellung S_StartReset = SAFETRUE deaktiviert ist.
Die Nichtbeachtung dieser Anweisungen kann Tod, schwere Körperverletzungen oder Sachschäden zur Folge haben.
Das Rücksetzen des Funktionsbausteins durch eine positive Signalflanke an Eingang Reset kann dazu führen, dass Ausgang S_AOPD_Out sofort auf SAFETRUE gesteuert wird (in Abhängigkeit der Zustände an den übrigen Eingängen).
WARNUNG
UNBEABSICHTIGTER BETRIEBSSTART
Berücksichtigen Sie in Ihrer Risikoanalyse die Auswirkungen des Rücksetzens, das durch eine positive Signalflanke an Eingang Reset erfolgt.
Stellen Sie sicher, dass geeignete Maßnahmen (gemäß zutreffender Sektornormen) getroffen wurden, um Gefährdungen durch das Rücksetzen zu verhindern.
Betreten Sie den Betriebsbereich nicht, wenn das Rücksetzen durchgeführt wird.
Stellen Sie sicher, dass keine anderen Personen den Betriebsbereich betreten können, wenn das Rücksetzen durchgeführt wird.
Verwenden Sie geeignete Sicherheitsverriegelungen, wenn eine Gefahr für Personen und/oder Ausrüstung besteht.
Die Nichtbeachtung dieser Anweisungen kann Tod, schwere Körperverletzungen oder Sachschäden zur Folge haben.
Ausgänge des Funktionsbausteins
Name |
Kurzbeschreibung |
Wert |
Ausgang zur Signalisierung "Funktionsbaustein ist aktiviert/nicht aktiviert". Datentyp: BOOL |
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Ausgang für das Freigabesignal des Funktionsbausteins. Datentyp: SAFEBOOL |
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Ausgang für den Status des Muting-Vorgangs. Datentyp: SAFEBOOL |
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Ausgang für Fehlermeldung. Datentyp: BOOL |
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Ausgang für Diagnosemeldung. Datentyp: WORD |
Diagnosemeldung des Funktionsbausteins. Die möglichen Werte sind im Thema "Diagnose-Codes" aufgelistet und beschrieben. |
Signalablauf-Diagramm
Das nachfolgend gezeigte Signalablauf-Diagramm zeigt den Muting-Vorgang (paralleles Muting) am Beispiel eines Montagebandes, das in den Betriebsbereich einer laufenden Maschine mündet. Dies ist in der Grafik am Beginn dieses Themas illustriert.
Weitere Annahmen:
S_StartReset = SAFEFALSE: Anlaufsperre nach Bausteinaktivierung und nach Start der Sicherheitssteuerung.
MutingEnable = TRUE (Konstante): Kein separates Freigabesignal für den Muting-Vorgang erforderlich.
HINWEIS:
Beachten Sie auch das weitere Signalablauf-Diagramm.
HINWEIS:
Die Signalablauf-Diagramme in dieser Dokumentation vernachlässigen möglicherweise bestimmte Diagnose-Codes. So kann beispielsweise ein Diagnose-Code im Diagramm fehlen, wenn der betreffende Status des Funktionsbausteins ein temporärer Übergangszustand ist und nur für einen Zyklus der Sicherheitssteuerung aktiv ist.
Es werden nur typische Signalkombinationen der Eingangssignale dargestellt. Weitere Signalkombinationen sind möglich.
0 |
Der Funktionsbaustein ist noch nicht aktiviert (Activate = FALSE). Folglich sind alle Ausgänge FALSE oder SAFEFALSE. |
1 |
Nach der Bausteinaktivierung durch Activate = TRUE ist zunächst noch die Anlaufsperre aktiv. |
2 |
Aufheben der Anlaufsperre durch positive Signalflanke an Eingang Reset. Ausgang S_AOPD_Out wechselt sofort auf SAFETRUE (Normalbetrieb), da
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3 |
Der Muting-Sensor an Eingang S_MutingSwitch11 erkennt einen Gegenstand und wechselt auf SAFETRUE. Mit diesem Zustandswechsel an S_MutingSwitch11 startet
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4 |
Innerhalb der zulässigen Diskrepanzzeit DiscTimeEntry erkennt auch der zweite Muting-Sensor den Gegenstand (Eingang S_MutingSwitch12 wird SAFETRUE). Der Gegenstand wird also als zulässig betrachtet und Ausgang S_MutingActive steuert in der Folge auf SAFETRUE: Muting ist aktiv. |
5 |
Der Gegenstand erreicht das Lichtgitter: Eingang S_AOPD_In wird SAFEFALSE ("Lichtgitter unterbrochen"). Da das Muting aktiv ist (S_MutingSwitch11 und S_MutingSwitch12 sind noch SAFETRUE), darf die Maschine im Betriebsbereich weiterlaufen: Ausgang S_AOPD_Out bleibt dann SAFETRUE. |
6 |
Der Gegenstand hat das Lichtgitter passiert (S_AOPD_In wechselt wieder auf SAFETRUE). S_MutingSwitch11 und S_MutingSwitch12 sind immer noch SAFETRUE, Muting ist noch aktiv (S_MutingActive bleibt SAFETRUE). |
7 |
Der Gegenstand bewegt sich in Richtung Betriebsbereich aus dem Erfassungsbereich der beiden Muting-Sensoren heraus, die Sensoren wechseln nacheinander auf SAFEFALSE. Mit dem Wechsel des ersten Sensors auf SAFEFALSE innerhalb der an MaxMutingTime eingestellten Zeit ist der Muting-Vorgang erfolgreich abgeschlossen (S_MutingActive wird SAFEFALSE). Da jetzt kein Gegenstand mehr erkannt wird und der Muting-Vorgang innerhalb der vorgebenen Zeit MaxMutingTime abgeschlossen wurde, wird kein Fehler gemeldet (Error bleibt FALSE) und Ausgang S_AOPD_Out bleibt SAFETRUE ("Maschine läuft weiter"). |
Anwendungsbeispiel
Die folgende Abbildung zeigt die Verschaltung zweier paralleler Muting-Sensoren mit dem Funktionsbaustein SF_MutingPar_2Sensor.
Weitere Informationen
Beachten Sie auch die Beschreibung und die Hinweise zu diesem Anwendungsbeispiel.
HINWEIS:
Der Freigabeausgang S_AOPD_Out des Funktionsbausteins SF_MutingPar_2Sensor ist über eine globale I/O-Variable oder über weitere sicherheitsbezogene Funktionen/Funktionsbausteine mit einer Ausgangsklemme der Applikation verschaltet.
B1 |
zweikanaliges Lichtgitter (B1S = optoelektronischer Sender, B1E = optoelektronischer Empfänger) |
B2, B3 |
optoelektronische Muting-Sensoren, einkanalig, vor dem Lichtgitter angeordnet |
P1 |
Muting-Lampe mit einkanaligem Rückmeldesignal, überwacht durch Sicherheitslogik |
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Siehe Hinweis vor der Abbildung. |
Detailinformationen
Weitere Informationen finden Sie in folgenden Abschnitten: